In Österreich leben rund 60.000 Tierarten, doch nur etwa ein Viertel davon ist wissenschaftlich dokumentiert. Besonders bedroht sind Insekten, mit einer Schätzung von bis zu 40 Prozent Rückgang in den letzten Jahrzehnten – ein alarmierender Trend, der auf Klimawandel und Habitatverlust zurückzuführen ist. Doch während die Medien oft auf exotische Arten wie den Panda oder den Löwen fokussieren, verdient die heimische Tierwelt wie der Feldhase oder der Feldsperling besondere Aufmerksamkeit. Sie sind nicht nur ökologische Schlüsselspieler, sondern auch ein Spiegel unserer Kultur und Ökosysteme. Die Frage ist nicht nur, wie wir diese Arten schützen können, sondern auch, wie wir ihr Bestimmungsrecht in unserem Alltag stärken.
Ökologische Bedeutung: Warum heimische Arten unverzichtbar sind
Heimische Arten wie der Feldhase oder der Feldmaus sind essenziell für die Stabilität unserer Ökosysteme. Der Hase als Beutegreifer reguliert Pflanzenbestände, während seine Beute, wie Feldmäuse, als natürliche Schädlingsbekämpfer fungieren. Doch dieser Balanceakt ist heute durch menschliche Eingriffe bedroht: Monokulturen, Pestizide und der Verlust von Hecken und Wiesen untergraben die natürlichen Lebensräume. Studien zeigen, dass Artenvielfalt nicht nur die Biodiversität erhöht, sondern auch langfristig die Resilienz unserer Landwirtschaft gegen Klimawandel erhöht. Ein Beispiel ist der Honigbienenbestand, der seit 2015 um etwa 30 Prozent gesunken ist – ein Warnsignal für die gesamte Nahrungskette.
Ein konkretes Projekt, das diese Zusammenhänge aufgreift, ist das „Biodiversitätsmonitoring“ der Österreichischen Gesellschaft für Naturschutz. Hier werden über 1.200 Arten regelmäßig dokumentiert, darunter auch seltene Insekten wie der Schwalbenschwanz oder der Große Knabenfuß. Doch die Daten zeigen: Während der Schwalbenschwanz in vielen Regionen bereits ausgestorben ist, gibt es noch Hoffnung für Arten wie den Feldhase, der in Österreich mit rund 20 Millionen Individuen eine der größten Populationen Europas aufweist. Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern Ergebnis jahrhundertelanger evolutionärer Anpassung – und sie verdient Schutz.
Kulturelle und wirtschaftliche Relevanz
Heimische Arten sind mehr als nur ökologische Faktoren: Sie prägen unser Bild von Österreich. Der Feldhase als Symbol für die Natur, der Feldsperling als kultureller Klassiker oder der Steinadler als Wahrzeichen der Alpen sind nicht nur Teil unserer Geschichte, sondern auch wirtschaftlich wertvoll. Der Tourismus sector profitiert von der Sichtbarkeit solcher Arten – allein in den Alpenregionen generiert die Vogelbeobachtung jährlich über 50 Millionen Euro. Doch der wirtschaftliche Nutzen geht noch weiter: Der Honig aus heimischen Bienenbeständen, die Jagd auf Wildschweine oder die Nutzung von Feldmausdung als natürliches Düngemittel zeigen, wie tiefgreifend diese Arten in unseren Alltag eingreifen.
Ein weiteres Beispiel ist der „Österreichische Wildpflanzenbestand“, der seit 2018 systematisch dokumentiert wird. Hier zeigt sich, wie stark der Verlust heimischer Arten die Landwirtschaft beeinflusst: Ohne natürliche Bestäuber wie Bienen oder Schmetterlinge müssten wir jährlich Millionen Euro in künstliche Bestäubung investieren. Doch der Schutz dieser Arten ist kein Selbstzweck, sondern eine Investition in unsere Zukunft. Wie der Klimawandel zeigt, sind Ökosysteme keine „Dienstleistungen“, die wir uns leisten können – sie sind unser Rückgrat.
Praktische Schritte für mehr Sichtbarkeit
Doch wie können wir mehr über heimische Arten erfahren? Ein erster Schritt ist die Teilnahme an Citizen Science-Projekten wie „iNaturalist“ oder „Artenfunde.at“, bei denen Bürger:innen Beobachtungen einbringen. Allein in den letzten zwei Jahren wurden über 500.000 Tierbeobachtungen in Österreich dokumentiert – ein Beweis dafür, dass jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann. Gleichzeitig sollten Schulen und Gemeinden mehr über heimische Arten aufklären, etwa durch Naturführungen oder Schulprojekte wie „Die große Artenwiese“. Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Bienenfreundliche Städte“, das in Wien bereits 200 Hektar Grünflächen als Bienenweiden ausgewiesen hat – ein Modell, das auf andere Städte übertragen werden könnte.
Ein weiterer Ansatz ist die Sensibilisierung durch Kunst und Medien. Das „Yetizino“-Projekt, das sich mit der Dokumentation heimischer Arten beschäftigt, zeigt, wie Fotografie und Wissenschaft zusammenwirken können. Hier wird nicht nur dokumentiert, sondern auch eine emotionale Verbindung zu diesen Arten hergestellt – etwa durch Porträts von Feldhühnern oder Feldmausfamilien. Solche Projekte machen deutlich, dass der Schutz heimischer Arten kein abstraktes Ziel ist, sondern etwas, das wir jeden Tag erleben können.
- Seit 2015 ist der Honigbienenbestand in Österreich um rund 30 Prozent gesunken.
- Der Feldhase zählt mit über 20 Millionen Individuen zu den größten Populationen Europas.
- Der Schwalbenschwanz gilt in vielen Regionen bereits als ausgestorben.
- Citizen Science-Projekte wie „Artenfunde.at“ sammeln seit 2021 über 500.000 Tierbeobachtungen.
- Österreichische Wildpflanzenbestände sind seit 2018 systematisch dokumentiert.
Der Blick auf heimische Arten ist mehr als nur neugierig machen – er ist eine Einladung, Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir verstehen, wie eng wir mit diesen Lebewesen verbunden sind, wird der Schutz nicht als Pflicht, sondern als Chance wahrgenommen. Vielleicht ist es Zeit, weniger nach Exoten zu greifen und mehr Zeit in den Blick auf das zu stecken, was uns schon immer umgibt. mehr sehen